Wie treffe ich die richtige Entscheidung?

Den gut bezahlten Job kündigen, um sich selbständig zu machen? Mit Mitte 40 noch ein Kind bekommen? Sich vom Partner trennen? Von der Stadt aufs Land ziehen? Ein Sabbatical machen und mit der Familie um die Welt reisen?

Sieben Überlegungen, wie wir auch in schwierigen Situationen zu einer guten Entscheidung gelangen können.

Wenn die Wahl zur Qual wird.

Manche Entscheidungen fallen uns schwerer als andere. Und bei manchen haben wir das Gefühl, dass wir sie schlicht nicht treffen können.

Als schwierig empfinden wir die Entscheidungen, bei denen keine Alternative besser ist. Beide Optionen bringen gute und weniger gute Folgen mit sich. Beide Optionen stehen für Werte, die uns wichtig sind, nur eben für verschiedene.

Noch schwieriger werden schwierige Entscheidungen, wenn sie Folgen für Menschen haben, die uns wichtig sind, wie z.B. die Trennung vom Partner Folgen für die gemeinsamen Kinder hat.

Vor solchen Entscheidungen schrecken wir zurück, schleppen sie ewig mit uns herum, entscheiden gar nicht oder geben die Entscheidung an andere ab. Häufig neigen wir auch dazu, uns in solchen Situationen für die (tatsächlich oder vermeintlich) sicherere Alternative zu entscheiden. Und sind danach doch irgendwie unzufrieden.

Schwierige Entscheidungen sind nicht leicht. Aber machbar.

Entscheidungs-Wundermittel gibt es leider nicht. Schwierige Entscheidungen werden weder durch wissenschaftliche Erkenntnisse noch durch Ratschläge von außen auf einmal leicht.

Mit schwierigen Entscheidungen ist es wie mit dem Mut: Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Überwindung von Angst.

In schwierigen Situationen entscheidungsfähig zu sein heißt daher nicht, dass uns die Entscheidung plötzlich leicht fällt. Entscheidungsfähig zu sein, heißt, TROTZ der Schwierigkeit entscheiden zu können – anhand der eigenen Werte und Überzeugungen und ihrer jeweiligen für uns stimmigen Gewichtung. Anhand der eigenen Leitplanken. Wenn wir diese eigenen Leitplanken nutzen, dann ist es unsere bestmögliche Entscheidung. Und die bestmögliche Entscheidung ist eine gute Entscheidung.

Was kann uns helfen, diese Leitplanken in uns zu finden? Welche Überlegungen, Werkzeuge oder Gedanken unterstützen uns, auch in schwierigen Entscheidungssituationen eine gute Entscheidung zu treffen?

Eine Annäherung in sieben Schritten:

#1: Für die innere Klarheit: Die Mitentscheider kennen

Auf dem Weg zu einer guten Entscheidung hilft es, sich bewusst zu werden, wer bei der Entscheidung eigentlich mitredet. Damit sind nicht andere Menschen gemeint, sondern die verschiedenen inneren Stimmen, die wir selbst in uns tragen und die sich unterschiedlich laut und unterschiedlich oft zu Wort melden. Das können zwei Stimmen sein, meist sind es aber sogar mehr.

Wer redet alles mit?

Bei einer Kündigung zum Beispiel gibt es vielleicht eine Stimme oder einen Teil in uns, der die Kündigung für höchst unvernünftig hält und uns weiterhin das regelmäßige Einkommen des Angestelltenjobs sichern möchte. Und dann ist da der Teil, der uns sagt, dass wir mit unserer Ausbildung doch immer wieder etwas fänden, und der uns wünscht, dass wir tun, wofür unser Herz wirklich brennt. Vielleicht gibt es auch einen Teil, der endlich mit seinen vielen Ideen für ein erfolgreiches Business gehört werden möchte und überzeugt ist, dass finanziell mit einer anderen Tätigkeit sogar mehr drin ist. Und vermutlich ist da auch ein Teil, der uns mit einem Bein schon in der Obdachlosigkeit sieht und uns vor dem finanziellen und sozialen Absturz bewahren möchte.

Was ist die gute Absicht der Mitentscheider?

Diesen Teilen können wir Namen geben, „der Beamte“, „der Idealist“, „die Geschäftsfrau“ oder „die Besorgte“. Dann schreiben wir auf, was die Wünsche und Bedürfnisse dieser Mitentscheider sind und welche gute Absicht sie für uns verfolgen. Denn interessanterweise hat fast jeder Teil eine gute Absicht. So will uns der Idealist bei der Verwirklichung unserer Träume helfen und die Besorgte uns vor finanziellem Schaden bewahren. Die inneren Anteile zu benennen und zu charakterisieren bringt eine gewisse Distanz. Wir sehen, dass es eben nur Teile sind, nicht „wir“. Das kann entlasten und Druck aus der Entscheidung nehmen.

Und was sagen wir als Chef/in dazu?

Im letzten Schritt überlegen wir uns – als Chef oder Chefin der verschiedenen Anteile, die wir ja sind -, welchen Teilen wir folgen möchten und welchen eher nicht. Wer soll eine Führungsrolle übernehmen? Wen brauchen wir im Team? Wen möchten wir nicht mehr mitentscheiden lassen, weil er oder sie Meinungen vertritt, die wir gar nicht mehr teilen? Gibt es Allianzen, die wir nutzen können? Diese Priorisierung und Einteilung fällt meistens gar nicht so schwer. Und sie bringt Klarheit.

Durch dieses kleine Experiment, das auf dem Modell des „Inneren Teams“ von Friedemann Schulz von Thun basiert, sehen wir, wer bei der Entscheidung mitredet und wer wir im Hinblick auf das Thema „alles sind“. Wir erkennen aber auch, wer wir eigentlich sein wollen. Und oft reicht das schon, um eine gute Entscheidung zu treffen.

#2: Für den Kopf: Die skalierte Pro- und Contra-Liste

Nach derzeitigen Erkenntnissen werden die besten Entscheidungen im Zusammenspiel von Kopf und Bauch getroffen. Das klassische Mittel, das uns auf der rationalen Ebene hilft, die verschiedenen Optionen abzuwägen, ist die Pro- und Contra-Liste. Sie soll daher auch hier nicht fehlen. Auf einer Seite eines Blattes notieren wir die Argumente, die für die Kündigung, die Trennung oder das Sabbatical sprechen und auf die andere Seite die Gründe, die dagegen sprechen.

Auf einer Skala von 1-10: Wie wichtig ist mir dieser Punkt?

Wichtig ist, dass wir im Anschluss eine Gewichtung der Argumente vornehmen. Dafür können wir zum Beispiel Punkte auf einer Skala von 1-10 vergeben: 1 für gar nicht wichtige Argumente, 10 für sehr wichtige Argumente. Denn nicht alle Aspekte sind für uns gleich bedeutsam, manche Argumente wiegen schwerer als andere. Wir fragen uns also: Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie wichtig ist mir dieser Aspekt? Wie wichtig dieses Argument? Zählen wir im Anschluss die Punkte auf jeder Seite zusammen, erkennen wir, was der Kopf zu der Entscheidung sagt.

#3: Für den Bauch: Der Münzwurf 

Ob das auch das ist, was der Bauch sagt, spüren wir, wenn wir uns das Ergebnis der Pro- und Contra-Liste ansehen.

Sollte sich dann noch kein Bauchgefühl einstellen, können wir es mit einem kurzen Münzwurf versuchen. Wir legen fest, welche Seite für welche Entscheidung steht. Zahl für die Kündigung und Kopf für das Verbleiben im Job. Dann werfen wir die Münze.

In dem kurzen Moment, in dem die Münze in der Luft ist, spüren wir in aller Regel eine kleine Tendenz in uns, einen kurzen Impuls, der uns zeigt, welche Seite der Münze wir uns oben wünschen. Manchmal stellt sich dieser Effekt auch ein, wenn die Münze gelandet ist. Wir sind entweder enttäuscht oder froh, dass sie so herum gelandet ist.

Dieser kurze Impuls spiegelt unser Bauchgefühl wider. Und auch das können und sollten wir in unsere Entscheidung miteinbeziehen.

Warum das Bauchgefühl manchmal trügt

Dabei sollten wir uns jedoch eines Phänomens bewusst sein: Menschen neigen dazu, das Vertraute als das Bessere anzusehen. Vor Entscheidungen gestellt, überprüft unser Gehirn erst einmal, welche der Alternativen ihm bekannter vorkommt. Und diese Alternative löst im ersten Augenblick das bessere Gefühl aus.

Das verwundert nicht, bedeutet doch Veränderung immer auch den Schritt ins Ungewisse. Etwas Neues zu machen, fühlt sich komisch an. Schließlich sind wir diesen Schritt noch nie gegangen. Es fehlt an einer Vorerfahrung, an der wir uns orientieren können und mit der wir uns „beruhigen“ können.

Aber: Auch der erste Sprung vom 5-Meter-Brett oder die Entscheidung für einen einjährigen Studienaufenthalt im Ausland hat sich vermutlich am Anfang komisch angefühlt. Auch diese Schritte waren von Unsicherheit begleitet. Und trotzdem war es im Nachhinein die richtige Entscheidung. Nur weil sich etwas zunächst komisch anfühlt, muss es nicht falsch sein. Vielleicht ist es einfach nur ungewohnt.

#4: Für den inneren Kritiker: Das Worst-case-Szenario prüfen

Ein weiteres häufig genutztes Tool zur Entscheidungsfindung ist das Worst-Case-Szenario.

Sich das Schlimmste vorzustellen gelingt uns üblicherweise gut. Wenn wir an eine große Veränderung denken, fällt uns sehr schnell ein, was alles schief gehen kann. Beim Worst-Case-Szenario dürfen wir uns all diesen gedanklichen Katastrophen einmal in vollen Zügen hingeben:

Wenn ich meinen gut bezahlten Job als Unternehmensberater/in, Ingenieur/in oder Rechtsanwält/in kündige, um mich in meinem Traumberuf selbständig zu machen, was passiert dann im schlimmsten Fall? Mein sicheres Einkommen bricht weg. Und dann? Habe ich vielleicht erst einmal keine Kunden. Und dann? Muss ich von meinen Rücklagen leben. Und dann? Habe ich vielleicht noch immer keine Kunden, und die Rücklagen schwinden. Und dann? Muss ich mir einen Job in meinem alten Metier suchen. Und stehe vor allen blöd da. Und dann? Finde ich vielleicht keinen Job, muss mir Geld leihen, eine günstigere Wohnung suchen oder aus meinem Haus ausziehen, um es zu vermieten. Und dann? Muss ich vielleicht irgendwann den erstbesten Job weit unter meiner Qualifikation annehmen, um irgendwie Geld zu verdienen. Und dann?

Erkenntnisse aus dem Worst-Case-Szenario

In den meisten Fällen führt das Durchdenken des Worst-Case-Szenarios zu zwei Erkenntnissen:

1. Auch wenn es ganz schlimm käme, ginge es irgendwie weiter.

2. Objektiv betrachtet ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass es an jeder Stelle schief läuft und zur totalen Katastrophe kommt.

Das Worst-Case-Szenario ist klassisches Katastrophen-Denken. Ein Worst-Case-Szenario punktuell für unsere Entscheidungsfindung zu nutzen, kann hilfreich sein. Davon abgesehen ist es aber wichtig, diese Denkgewohnheit abzulegen. Katastrophen-Denken ist ein Denkmuster, mit dem wir uns selbst blockieren. Es hält uns klein und hindert uns, bestehende Möglichkeiten zu nutzen. (Mehr dazu erfahren Sie in dem Buch „MINDFUCK“ von Dr. Petra Bock ▼ . Sie hat sieben verschiedene Denkmuster identifiziert, mit denen sich Menschen selbst sabotieren. Sie beschreibt in ihrem Buch auch Wege, wie wir diese Denkmuster auflösen können.)

#5: Fairerweise: Das Best-Case-Szenario denken

Nachdem wir uns voll der Katastrophe hingegeben haben, sollten wir fairerweise auch einmal überlegen, was alles gut laufen könnte. Wie wäre es, wenn die Entscheidung ein voller Erfolg wäre?

Wenn ich kündige, um mich in meinem Traumberuf selbständig zu machen, was passiert dann im besten Fall? Dann baue ich mit viel Energie und Herzblut mein Business auf, kümmere mich um Akquise und Marketing und werde mit meiner neuen Tätigkeit sichtbar. Und dann? Gewinne ich die ersten Kunden. Und dann? Empfehlen diese Kunden mich weiter. Und dann? Gewinne ich mehr Kunden und kann meine Stundensätze anheben. Und dann? Verdiene ich bereits gutes Geld mit der Selbständigkeit. Und dann? Wächst mein Business weiter, und ich kann das verdiente Geld investieren, z.B. in eine/n Mitarbeiter/in oder den Aufbau eines Online-Business.

Zugegeben, das Best-Case-Szenario zu denken fühlt sich ungewohnt an. Und es ist vermutlich auch nicht realistisch, dass immer alles glatt geht. Aber es ist eben genauso wenig realistisch, dass immer alles schief geht.

Das Best-Case-Szenario zu durchdenken, bringt eine gewisse Balance in den Prozess – und macht abgesehen davon auch einfach Spaß.

#6: Die Zeitreise zum 80. Geburtstag

Ein weiteres Werkzeug, das wir nutzen können, um eine für uns gute Entscheidung zu treffen, ist eine Zeitreise. Wir reisen dabei gedanklich zu unserem 80. Geburtstag. Vielleicht haben wir unsere Lieben um uns versammelt oder wir zelebrieren still und ganz für uns diesen besonderen Tag. Wichtig ist, dass wir uns wirklich in diese Situation hineinversetzen, so tun, als ob wir nun tatsächlich gerade 80 Jahre alt geworden sind. Dann denken wir noch einmal zurück an den Moment, in dem wir damals diese schwierige Entscheidung treffen mussten.

Aus der Zukunft gedacht und gefühlt: Was würden wir uns raten?

So viele Jahre später, mit so vielen Erfahrungen im Gepäck: Was würden wir uns als weise 80jährige Frau oder lebenserfahrener 80jähriger Mann wohl raten? Was sind unsere Erkenntnisse nach einem langen Leben? Wie würde der eine Satz lauten, den er oder sie uns für die Entscheidung zuruft?

Oder: Wie fühlt es sich an unserem 80. Geburtstag an, wenn wir auf eine Entscheidung zurückblicken, mit der wir unser Leben aktiv gestaltet haben? Und wie fühlt es sich an, nicht entschieden zu haben?

#7: Was für ein Mensch will ich sein?

In eine ähnliche Richtung geht die einfache Frage „Was für ein Mensch will ich sein?“. Zu ihr rät die US-amerikanische Philosophin Ruth Chang in schwierigen Entscheidungssituationen ▼. Wenn es keine bessere Alternative gibt, keine objektiven Anknüpfungspunkte, die das Pendel in die eine oder andere Richtung ausschlagen lassen, dann müssen wir nach innen schauen und uns fragen, wer wir sein möchten.

Unser Leben ist die Summe unserer Entscheidungen

Unser Leben ist die Summe unserer Entscheidungen. Der Punkt, an dem wir jetzt stehen, ist die Konsequenz aus unseren bisherigen Entscheidungen. Mit der neuen Entscheidung und allen weiteren Entscheidungen bestimmen wir, welcher Mensch wir morgen sind.

Was für ein Mensch möchten Sie morgen sein? Und welche Entscheidung bringt Sie dorthin?

Man bereut nie, was man getan, sondern immer, was man nicht getan hat (Mark Aurel)

Womit wir Menschen am wenigsten zurechtkommen ist das Gefühl, eine Chance verpasst zu haben. Keine Entscheidung bereuen wir mehr, als die, nichts getan zu haben.

Das bestätigt auch Bronnie Ware, die über viele Jahre Sterbende begleitet und über ihre Erfahrungen das Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ ▼ geschrieben hat. Sie fasst es so zusammen: Sich selbst nicht treu geblieben zu sein, sondern sich an den Erwartungen anderer orientiert zu haben – das ist das, was Menschen am Ende ihres Lebens am meisten bereuen.

Wenn wir unsere eigene Entscheidung treffen, zeigen wir uns, dass wir handlungsfähig sind und unser Leben selbst gestalten. Wir bewirken etwas für uns. Uns als selbstwirksam zu erleben, gibt uns ein gutes Gefühl.

Es lohnt sich also herauszufinden, wer wir sind, wie wir uns treu bleiben können – und durch welche Entscheidung wir zu dem Menschen werden, der wir morgen sein möchten.

Wenn Sie gerade vor einer schwierigen Entscheidung stehen und nicht weiterkommen, schreiben Sie mir. Ich unterstütze Sie bei Ihrer ganz persönlichen Entscheidungsfindung – und natürlich auch auf dem weiteren Weg!

Weitere Informationen rund um Life Coaching finden Sie in meinem Blog Gedankengang ▼ und auf meiner Website ▼ unter Life Coaching ▼. Bei Fragen kontaktieren Sie mich gerne unverbindlich unter mail@petsch.coach ▼.